Raumfahrt - Voyager 1: Nasa-Raumsonde kämpft ums Überleben und steht vor einem Rekord

4.11.2026

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Künstlerische Darstellung von "Voyager 1": Die Raumsonde fliegt seit 1977 durch das Weltall. (Quelle: NASA / JPL-Caltech)

Mitte November wird "Voyager 1" weiter von der Erde entfernt sein als je ein von Menschen gebautes Objekt. Doch die fast 50 Jahre alte Sonde steckt mitten in einer technischen Krise.

Am 18. November 2026 soll es passieren: Dann wird die Raumsonde "Voyager 1" einen Lichttag von der Erde entfernt sein, was rund 25,9 Milliarden Kilometern entspricht. Das teilt die US-Weltraumbehörde Nasa auf ihrer Webseite mit. Kein von Menschen gebautes Objekt hat je eine größere Distanz zur Erde erreicht.

Die Nasa hat den Termin auf die Minute genau berechnet: Um 5.16 Uhr US-Ostküstenzeit soll die Raumsonde exakt 25.902.068.356 Kilometer von der Erde entfernt sein. Das ist die Strecke, die Licht in 24 Stunden zurücklegt. Ein Timer auf der Nasa-Seite zählt die Stunden und Minuten herunter.

Wenn diese Entfernung erreicht ist, benötigt ein Funksignal einen vollen Tag – also 24 Stunden –, um zur Sonde zu gelangen, und einen weiteren Tag für den Rückweg. "Voyager"-Projektmanagerin Suzanne Dodd vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa: "Wenn man 'Voyager' 'Hallo' sagen möchte, schickt man seine Nachricht ab, geht nach Hause und wartet zwei Tage, bis man endlich eine Antwort bekommt."

"Voyager 1" hat technische Probleme

Kurz vor diesem Rekord der Sonde gab es allerdings einen technischen Rückschlag. Mitte Oktober blieb "Voyager 1" bei zwei geplanten Kontaktversuchen stumm. Erst nach 48 Stunden empfing die Nasa wieder ein Signal.

Was genau den Ausfall ausgelöst hatte, ist noch nicht vollständig geklärt. Die Nasa hat festgestellt, dass eine Gruppe von Steuerdüsen ausfiel, woraufhin die Bordcomputer automatisch auf eine Reserve umschalteten. Die Steuerdüsen sind dafür zuständig, die Antenne der Sonde auf die Erde ausgerichtet zu halten. Ob dieser Wechsel auch den Funkkontakt unterbrach, untersucht die Nasa noch.

Der Kontaktverlust ist nicht das einzige Problem. "Voyager 1" startete am 5. September 1977 auf Cape Canaveral (Florida) mit drei sogenannten Radioisotopengeneratoren. Diese wandeln die Wärme aus dem radioaktiven Zerfall von Plutonium-238 in elektrischen Strom um. Beim Start lieferten sie zusammen rund 470 Watt. Seitdem verlieren die Generatoren jedes Jahr etwa 4 Watt an Leistung.

Geräte werden Stück für Stück abgeschaltet

Für das Missionsteam wird die Verteilung des verbleibenden Stroms immer schwieriger. Neben den wissenschaftlichen Messgeräten benötigen auch Bordcomputer, Funktechnik, Steuerung und Heizungen Energie. Manche Bauteile müssen warm genug bleiben, damit etwa Treibstoffleitungen nicht einfrieren.

Im September 2026 gelang der Nasa ein wichtiger Schritt. Nach monatelanger Vorbereitung schalteten die Ingenieure drei Geräte gleichzeitig ab und ersetzten sie durch drei Alternativen mit geringerem Stromverbrauch.

Die Maßnahme trägt intern den Namen "Big Bang". Die Herausforderung bestand darin, den Energieverbrauch zu senken, ohne die Wärmeverteilung an Bord zu stören. Die Nasa hatte das Verfahren zuvor bereits bei der Schwestersonde "Voyager 2" erprobt.

Zwei wissenschaftliche Instrumente sind noch aktiv

Ohne diese Maßnahme hätte die Nasa möglicherweise schon im Sommer 2027 ein weiteres Messinstrument abschalten müssen. Wie viele zusätzliche Monate oder Jahre sich dadurch gewinnen lassen, beziffert die Nasa für "Voyager 1" bislang nicht.

Lichtjahr

Ein Lichtjahr ist eine Maßeinheit für Entfernungen im Weltall. Es bezeichnet die Strecke, die Licht innerhalb eines Jahres zurücklegt. Da sich Licht mit rund 300.000 Kilometern pro Sekunde ausbreitet, entspricht ein Lichtjahr etwa 9,46 Billionen Kilometern. Zum Vergleich: Das Licht der Sonne benötigt rund acht Minuten bis zur Erde. Der nächstgelegene Stern außerhalb unseres Sonnensystems, Proxima Centauri, ist etwa 4,25 Lichtjahre entfernt. Die Milchstraße hat einen Durchmesser von rund 100.000 Lichtjahren.

Von ursprünglich zehn wissenschaftlichen Instrumenten sind heute noch zwei in Betrieb. Das Magnetometer misst Stärke und Richtung des Magnetfelds in der Umgebung der Sonde. Das Plasmawelleninstrument registriert elektrische Schwingungen im Plasma und liefert unter anderem Daten zur Dichte des interstellaren Mediums.

Zuletzt wurden weitere Instrumente abgeschaltet: Im Februar 2025 das Gerät zur Messung kosmischer Strahlung, im April 2026 das Messgerät für energiearme geladene Teilchen. Letzteres wurde nach einem unerwarteten Leistungsabfall bei einem Manöver am 27. Februar 2026 deaktiviert. Die Nasa befürchtete, ein weiterer Spannungsabfall könnte die automatische Unterspannungssicherung auslösen.

Seit 1977 im Weltall unterwegs

"Voyager 1" startete im September 1977 ursprünglich, um Jupiter und Saturn zu erforschen. 1979 lieferte sie Aufnahmen des Jupitersystems, darunter den Nachweis aktiver Vulkane auf dem Mond Io. Im November 1980 folgte die Begegnung mit Saturn und seinem Mond Titan.

Seit August 2012 befindet sich die Sonde im interstellaren Raum, also jenseits der vom Sonnenwind geprägten Hülle um die Sonne. Das Sonnensystem hat sie damit noch nicht vollständig verlassen: Die weit entfernte Oortsche Wolke, eine vermutete Ansammlung eisiger Kleinkörper, gehört ebenfalls dazu.

An Bord trägt "Voyager 1" die sogenannte Golden Record, eine vergoldete Schallplatte mit Bildern, Geräuschen, Musik und Grußbotschaften von der Erde. Sie benötigt keinen Strom. Nach Nasa-Berechnungen soll die Sonde in rund 40.000 Jahren an dem Stern Gliese 445 vorbeifliegen, der mehr als 17 Lichtjahre von der Erde entfernt ist.

Quelle: t-online.de

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