UFO-Forschung - UAP-E-Mails von Scott Bray wecken Verdacht – liefern jedoch keine Beweise.

29.09.2026

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Neu veröffentlichte E-Mails des stellvertretenden Direktors des US-Marinegeheimdienstes lassen sich leicht reißerisch interpretieren. Liest man jedoch den gesamten E-Mail-Verkehr, erweist sich die Geschichte als weitaus weniger außergewöhnlich.
Von Benny Christen Grandahl/SUFOI

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Es bedarf keiner großen Mühe, aus den von „The Black Vault“ beschafften E-Mails – die sich auf Scott Brays Arbeit im Bereich UFOs während seiner Zeit als stellvertretender Direktor des Naval Intelligence (des Nachrichtendienstes der US-Marine) beziehen – eine dramatische Geschichte zu konstruieren.

Bray war als stellvertretender Direktor des Naval Intelligence tätig. Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem die Vorgesetztenfunktion gegenüber John Stratton – dem Leiter der UAP-Task-Force (UAPTF) der Marine –, zudem nahm er an der ersten der seit 2022 abgehaltenen Kongressanhörungen zum Thema UFOs teil.

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Das Deckblatt der FOIA-Anfrage, auf die John Greenewald von „The Black Vault“ gerade eine Antwort erhalten hat.

 

Die E-Mails, die in der gerade von John Greenewald (The Black Vault) veröffentlichten Antwort auf eine FOIA-Anfrage enthalten sind, gewähren Einblicke in die Arbeit rund um die UAPTF. Darunter finden sich E-Mails, die von internen Konflikten und sorgfältig formulierten Presseantworten zeugen, sowie Schriftwechsel, die als Versuch des Naval Intelligence gedeutet werden könnten, der Öffentlichkeit Informationen vorzuenthalten – begleitet von einer Reihe sensationeller Behauptungen.

Es stellt sich jedoch die Frage, wie sensationell diese E-Mails tatsächlich sind. Denn bei genauerer Betrachtung treten Details zutage, die der Sensation den Wind aus den Segeln nehmen.

Drei Beispiele verdeutlichen diesen Unterschied.

Behauptung 1: Jay Stratton wurde abgelöst, weil er die Wahrheit sagte.
Am 8. Februar 2021 schrieb Vizeadmiral Jeffrey Trussler über einen Führungswechsel bei der UAPTF.

Jay Stratton war als Leiter der Arbeitsgruppe abgelöst worden – ein Schritt, der bei Kongressmitgliedern für Unmut sorgte. Trussler beschrieb deren Vermutung mit folgenden Worten:

„...er wurde entlassen, weil er die WAHRHEIT sagt...“

Bleibt man an dieser Stelle stehen, ist die Schlagzeile praktisch schon geschrieben: Admiral gibt zu, dass der UFO-Chef abgelöst wurde, weil er die Wahrheit sagte.

Das Problem ist, dass der Admiral dies gar nicht zugibt. Er gibt lediglich einen Vorwurf wieder, den er anschließend entkräftet.

Trussler schreibt, dass Stratton nicht entlassen worden sei. Seinen Angaben zufolge habe die Führungsebene jemanden eingesetzt, der in der Lage sei, die Arbeit und das Team zu leiten – anstatt eines Analytikers, der vor allem gerne Briefings hielt.

Dann folgt eine Formulierung, die durchaus Aufmerksamkeit verdient. Nun, so schreibt Trussler, leite jemand das Team, der die Leute nicht „mit ungewöhnlichen Aussagen aufstachelt“.

Dies ist eine scharfe Kritik an Stratton. Allerdings geht aus der E-Mail nicht hervor, um welche Aussagen es sich handelte. Ebenso wenig wird erwähnt, ob diese wahr, übertrieben oder schlicht unglücklich formuliert waren.

Ein Konflikt ist keine Bestätigung.
Es gibt mindestens zwei mögliche Interpretationen.

Die eine besagt, dass ein unbequemer Mitarbeiter von seinem Posten entfernt wurde, weil er etwas enthüllte, das die Führungsebene lieber geheim gehalten hätte.

Die andere besagt, dass die Führungsebene mit der Art und Weise unzufrieden war, wie er die Arbeit leitete und die Ergebnisse präsentierte.

Die E-Mail dokumentiert den Konflikt. Sie liefert jedoch keinen Aufschluss darüber, welche Erklärung zutrifft.

Man sollte auch Trusslers Version nicht unkritisch übernehmen. Sie gibt die Sichtweise der Führungsebene wieder und könnte von dem Wunsch geprägt sein, die Entscheidung zu rechtfertigen.

Der umgekehrte Fehler ist jedoch ebenso schwerwiegend: Man darf seine Schilderung eines Vorwurfs nicht als Eingeständnis werten, dass dieser Vorwurf der Wahrheit entspricht.

Die interessante Erkenntnis ist also, dass es bereits 2021 Streitigkeiten über Strattons Rolle und Aussagen gab – nicht etwa, dass die E-Mail beweist, er sei wegen der Enthüllung der Existenz von Außerirdischen abgesetzt worden.

Gleichzeitig lohnt es sich, Trusslers Kritik im Hinterkopf zu behalten, wenn man beabsichtigt, sich mit Strattons Enthüllungsbuch über seine Zeit als Leiter des geheimen UFO-Programms der Navy zu befassen, das Mitte Oktober erscheinen soll.

Quelle: PDF-Seiten 650–651.
In einer E-Mail wird ausdrücklich behauptet, das ONI besitze UFOs. Diese Behauptung stammt jedoch von einem externen Absender, Richard Boylan. Intern wird der Text wegen zahlreicher Fehler kritisiert.

– PDF-Seiten 91–93

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Behauptung 2: Das Pentagon schließt den Besitz von UFO-Wrackteilen nicht aus
Die nächste Geschichte beginnt mit einer Behauptung von außen.

Im Februar 2021 kursiert ein Text unter Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums. Darin wird behauptet, der Geheimdienst DIA habe – als Reaktion auf eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz – eingeräumt, im Besitz von UFO-Wrackteilen zu sein.

In einem internen Briefing wird diese Behauptung zunächst unter Vorbehalt wiederholt: Offenbar habe die DIA bestätigt, über derartige Materialien zu verfügen.

Das mag sensationell klingen. Doch der Mitarbeiter bezieht sich lediglich auf einen von anderen verfassten Bericht; es handelt sich nicht um eine unabhängige Bestätigung.

Am nächsten Tag hat sich die Einschätzung geändert.

Ein Mitarbeiter schreibt ausdrücklich, dass die freigegebenen Dokumente die Behauptung eines solchen Eingeständnisses nicht stützen. Folglich schlägt er eine Antwort für die Presse vor: Der UAPTF lägen keine Informationen vor, die die Geschichte untermauern, wonach die US-Regierung über Materialien aus angeblichen UFO-Wracks verfüge.

Doch dann folgt eine Reaktion, die den Verdacht schüren könnte.

Ein anderer Mitarbeiter zögert, darüber zu sprechen, was Bestandteil ihres „Foreign Materiel Program“ (Programm für ausländisches Material) ist – oder eben nicht. Ein solches Gespräch würde rasch den Bereich geheimer Informationen berühren, merkt der Mitarbeiter an.

Daher schlägt die Person vor, keinen Kommentar abzugeben. Ein späterer Entwurf für die genaue Formulierung wird geschwärzt.

Was genau ist es, worauf sie keine Antwort geben wollen?
Hier drängt sich eine dramatische Interpretation geradezu auf: Hätte das Pentagon keine UFO-Wrackteile in seinem Besitz, könnte es einfach verneinen.

Doch dieser Schlussfolgerung liegt die Annahme zugrunde, dass es für das Schweigen nur eine einzige mögliche Erklärung gibt.

Die E-Mail selbst deutet auf eine andere Erklärung hin: Der Mitarbeiter möchte vermeiden, Einzelheiten zu einem Programm zu erörtern, das sich mit „fremdem Material“ befasst. Dabei ist wichtig festzuhalten, dass der Begriff „fremd“ keinen Aufschluss darüber gibt, ob die Materialien von einem anderen Planeten stammen.

Gleichzeitig bleibt die direkte Einschätzung im E-Mail-Verlauf bestehen: Die freigegebenen Dokumente stützen die Geschichte nicht.

Das Begleitschreiben der DIA führt technische Berichte zu Themen wie metallischen Gläsern, Biomaterialien und Metamaterialien auf. Das Schreiben bestätigt nicht, dass es sich bei diesen Berichten um Analysen geborgener Raumfahrzeuge handelt.

Dass als Reaktion auf eine Anfrage zu UFO-Materialien ein Bericht veröffentlicht wird, bestätigt für sich genommen noch nicht die der Anfrage zugrundeliegende Annahme.

Es ist durchaus berechtigt, eine Presseantwort zu kritisieren, die mehr Zweifel als Klarheit hinterlässt. Dennoch kommt eine Haltung des „Kein Kommentar“ keineswegs einem Eingeständnis gleich.

Die Geschichte dient nur dann als Beleg für UFO-Wrackteile, wenn man das Schweigen hervorhebt, aber die interne Einschätzung verschweigt, wonach die Dokumente die Behauptung nicht stützen. Genau diese Taktik wird von bekannten UFO-Akteuren häufig angewandt.

Quelle: PDF-Seiten 652–655 und 800–802.
Behauptungen, wonach UFOs nukleare Kapazitäten außer Gefecht setzen, tauchen in einer Presseanfrage auf, die sich auf Elizondo beruft. Der E-Mail-Verkehr liefert jedoch keine interne militärische Bestätigung dafür, dass ein solcher Vorfall tatsächlich stattgefunden hat.

– PDF-Seiten 911–913

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Behauptung 3: Die Navy versuchte, die UFO-Videos unter Verschluss zu halten
An den in diesem Fall ergriffenen Maßnahmen bestehen kaum Zweifel.

E-Mails belegen, dass die Navy versuchte, die drei bekannten Navy-Videos zurückzuhalten, obwohl diese bereits frei auf YouTube verfügbar waren.

Im Dezember 2019 kündigte ein Mitarbeiter an, dass alle drei Videos unter Verschluss gehalten würden, und berief sich dabei auf eine Vorschrift zum Schutz kritischer Infrastruktur. Zur Begründung wurde angeführt, die Videos enthielten „Flugdaten“.

Gleichzeitig warnte der Mitarbeiter davor, dass diese Entscheidung den Eindruck erwecken könnte, die Navy wolle etwas verheimlichen – angesichts der Tatsache, dass die Videos bereits weithin zugänglich waren.

Im März 2020 wurde diese Begründung intern verworfen.

Ein Mitarbeiter erklärte, dass Videos unidentifizierter Phänomene nicht unter die einschlägige Definition von Flugdaten fielen. Sollte die Vorschrift zuvor herangezogen worden sein, um die Videos zurückzuhalten, so sei dies ein Fehler gewesen.

Im Anschluss daran erörterten Mitarbeiter weitere mögliche Ausnahmeregelungen – insbesondere die Frage, ob laufende Untersuchungen oder andere Vorschriften eine Grundlage für das Zurückhalten der Videos bieten könnten.

Tatsächliche Geheimhaltung, aber eine offene Frage zum Motiv
Dieser Ablauf sollte nicht als bloße bürokratische Bagatelle abgetan werden.

Die E-Mails offenbaren, dass das Bestreben, die Videos zurückzuhalten, auch dann noch bestand, nachdem eine der Begründungen bereits entkräftet worden war. Dies liefert berechtigten Anlass für kritische Fragen zum Umgang der Behörden mit den Anträgen auf Informationsfreiheit.

Doch was genau wollte man schützen?

In den E-Mails verweisen Mitarbeiter auf laufende nachrichtendienstliche Tätigkeiten und Ermittlungen. Dies mag durchaus der eigentliche Grund sein. Es könnte sich aber auch um eine Erklärung handeln, die einer genaueren Überprüfung bedarf.

Was man in diesen Passagen nicht findet, ist irgendein Hinweis darauf, dass die Videos unter Verschluss gehalten werden sollten, weil sie außerirdische Flugobjekte zeigten.

Es gibt noch ein weiteres wichtiges Detail: Die Behörden agierten nicht als monolithischer Block. Einige Mitarbeiter wollten die Videos zurückhalten, während andere diese Argumentation ablehnten. Letztendlich wurden die Videos offiziell freigegeben.

Die E-Mails zeugen somit sowohl von Widerstand gegen Transparenz als auch von einem internen Prozess, der diesen Widerstand infrage stellte.

Sie liefern die Grundlage für die Geschichte: „Ja, die Navy versuchte, mutmaßliche UFO-Videos zurückzuhalten.“ Der Zusatz – „weil sie die Wahrheit über Außerirdische kannten“ – bedarf jedoch weiterer Belege.

Solche Belege finden sich in dem E-Mail-Verlauf nicht.

Quelle: PDF-Seiten 318–319 und 470–474.

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Zu den Quellen:
Der Artikel basiert auf dem Dokumentenpaket DON-NAVY-2022–008648, das John Greenewald von „The Black Vault“ mit einem Begleitschreiben vom 23. September 2026 übermittelt wurde. Die Seitenangaben beziehen sich auf das 1.325-seitige PDF-Dokument, einschließlich des Begleitschreibens und des Deckblatts. Dänische Zitate wurden aus dem Englischen übersetzt. Bei den drei genannten Behauptungen handelt es sich um mögliche Interpretationen des Materials, nicht um Zitate, die die Reaktionen namentlich genannter Personen auf diese Veröffentlichung wiedergeben.

Geheimhaltung offenbart das Geheimnis an sich nicht.
Die drei Geschichten weisen einen gemeinsamen Nenner auf.

Ein Wechsel in der Führungsebene wird als Bestrafung dafür ausgelegt, dass die Wahrheit gesagt wurde. Eine vorsichtige Reaktion gegenüber der Presse wird als Eingeständnis gewertet, dass UFO-Wrackteile existieren. Und der Versuch, Videos zurückzuhalten, gilt als Beweis dafür, dass das Verteidigungsministerium Wissen über Außerirdische verbergen wollte.

In allen drei Fällen werden dokumentierte Handlungen mit einem Motiv verknüpft, für das sich im E-Mail-Verkehr keinerlei Belege finden lassen.

Das bedeutet nicht, dass die Erklärungen der Behörden automatisch der Wahrheit entsprechen oder dass jede Geheimhaltung notwendig und sinnvoll ist.

Im Gegenteil: Die E-Mails unterstreichen, wie wichtig eine unabhängige Kontrolle und der öffentliche Zugang zu Informationen sind. Die Arbeit von „The Black Vault“ ermöglicht es, nachzuvollziehen, wie Entscheidungen getroffen und wie Anfragen aus der Öffentlichkeit bearbeitet werden.

Dieser Zugang muss jedoch mit einem kritischen Blick genutzt werden, der sich in beide Richtungen richtet.

Man sollte Dokumente einfordern – sowohl dann, wenn Behörden ihre mangelnde Transparenz rechtfertigen, als auch dann, wenn andere behaupten zu wissen, was hinter der Geheimhaltung steckt.

Es ist jedoch anzumerken, dass das Material stark geschwärzt ist. Dem Begleitschreiben zufolge wurden 302 der insgesamt 1.321 aufgefundenen Dokumentenseiten vollständig zurückgehalten. Die übrigen wurden nur in geschwärzter Form freigegeben. Folglich vermittelt die Sammlung kein vollständiges Bild.

Doch auch wenn die fehlenden Informationen unsere Einsichtsmöglichkeiten einschränken, stellen diese Lücken kein unbeschriebenes Blatt dar, das man nach Belieben mit der eigenen bevorzugten Erklärung füllen kann.

Quelle: SUFOI Skandinavisk UFO Information

 

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