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Astronomie - Wissenschaftler haben einen erstaunlichen Fund in einem Meteoriten gemacht, der von einem anderen Planeten stammt

4.09.2019

wedderburn-meteorit

Viele Wissenschaftler haben bereits Proben des Meteoriten untersucht – das hat sichtbare Spuren hinterlassen.

  • In einem Meteoriten hat ein Team aus Wissenschaftlern ein Material entdeckt, dessen natürliches Vorkommen nie zuvor bestätigt wurden konnte.
  • Das Material, Edscottit, ist eine äußerst seltene Form eines Eisencarbid-Minerals.
  • Forscher gehen davon aus, dass sich das Mineral im Kern eines anderen Planeten gebildet haben könnte, bevor es schließlich auf der Erde gelandet ist.

Ungewöhnlich sieht er aus. Schwarz und rot, fast unnatürlich. Als wäre er nicht von dieser Welt. Und das ist er auch nicht. 

Einen Gesteinsbrocken wie diesen hatte man in Wedderburn, einer einstigen Goldminenstadt in Australien, noch nie gesehen. Damals, im Jahr 1951, war es kein Goldnugget, das nordöstlich der Stadt an einer Straße gefunden wurde. Es war ein etwa 200 Gramm schwerer, seltsam aussehender Stein, der aus dem Himmel gefallen war. Ein Meteorit.

 
 

Meteorit enthält ein seltenes Material, das in der Natur nicht vorkommt

Jahrzehntelang versuchten Wissenschaftler, die Geheimnisse des Weltall-Gesteins zu lüften. Heute, im Jahr 2019, gelang es Forschern in einer neuen Studie, der Entschlüsselung des Rätsels um den Meteoriten näher zu kommen. Das Team, geleitet von dem Mineralogen Chi Ma vom California Institute of Technology, analysierte den Wedderburn-Meteoriten erneut und machte eine erstaunliche Entdeckung: Der Gesteinsbrocken enthält das erste natürliche Vorkommen von „Edscottit“, wie die Forscher es nennen. Das ist eine äußerst seltene Form eines Eisencarbid-Minerals, das nie zuvor in der Natur entdeckt wurde. 

Seit der ungewöhnliche Fund von Wedderburn als Meteorit identifiziert wurde, haben zahlreiche Forscherteams das markante schwarz-rote Gestein untersucht – so viele, dass nur noch etwa ein Drittel des Originalstücks intakt ist. Es befindet sich heute in der geologischen Sammlung des Museums Victoria in Australien. Der Rest des Meteoriten wurde Stück für Stück abgetragen, um immer wieder Proben analysieren zu können und herauszufinden, woraus das Weltall-Gestein besteht. Diese Analysen haben Spuren von Gold und Eisen sowie seltenere Mineralien wie Kamacit, Schreibersit, Taenit und Troilit ergeben. Jetzt kann ein weiteres, sehr seltenes Mineral der Liste hinzugefügt werden: Edscottit.

Natürliches Vorkommen ist die Grundvoraussetzung, um als Mineral anerkannt zu werden

Die Entdeckung von Edscottit – benannt nach dem Meteoritenexperten und Kosmochemiker Edward Scott von der University of Hawaii – ist auch deshalb von so großer Bedeutung, weil noch nie zuvor bestätigt werden konnte, dass diese einzigartige atomare Zusammensetzung des Eisencarbid-Minerals natürlich vorkommt.

Eine synthetische Verbindung der Materialien ist seit einigen Jahrzehnten bekannt, denn sie entsteht als Zwischenprodukt beim Schmelzen von Eisen. Doch das natürliche Vorkommen von Edscottit ist eine Grundvoraussetzung, um es zu einem offiziellen Mineral zu machen– anerkannt von der International Mineralogical Association. Eine Mitgliedschaft in diesem Club ist exklusiver, als es den Anschein haben mag. Mehr als eine halbe Million Mineralien wurden im Labor bereits entdeckt, doch nicht einmal 6.000 davon haben einen natürlichen Ursprung.

Was die Frage betrifft, wie dieser Brocken natürlichen Edscottits schließlich in der Nähe einer australischen Kleinstadt landen konnte, hat der Planetenforscher Geoffrey Bonning von der Australian National University eine Vermutung. Bonning war nicht an der Studie beteiligt, sagte gegenüber „The Age“ jedoch, das Mineral hätte sich im erhitzten, unter Druck stehenden Kern eines alten Planeten bilden können.

Meteorit könnte aus dem Kern eines anderen Planeten stammen

„Jedes Gestein ist bis zu einem gewissen Grad radioaktiv“, sagt Bonning. „Dieser Planet beginnt also, im Kern zu schmelzen“. Dadurch könne heißes Metall in den Kern gelaufen sein, der durch den Druck und die Hitze schließlich Mineralien wie Edscottit gebildet habe. Irgendwann sei der Planet zerstört worden, beispielsweise durch eine Kollision mit einem anderen Planeten, Mond oder Asteroiden, so Bonning. 

 

Und das Edscottit? Ist vermutlich einige Millionen Jahre im Weltall umhergekreist. Bis es einst durch einen weiteren zufälligen Zusammenstoß auf den Kurs in Richtung Erde gebracht wurde. In Richtung einer kleinen, australischen Goldminenstadt. 

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