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Astronomie - Rätsel um Meteoriten bei Felchta / Thüringen von 1947 -Update

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Zeitung berichtet vor 70 Jahren von einem abgestützten Himmelskörper, der nahe Mühlhausen einen 15 Meter tiefen Krater geschlagen haben soll

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So berichtete das Thüringer Volk am 29. März 1947 im Lokalteil. Foto: Stadtarchiv Mühlhausen

Felchta. Die Geschichte klingt unglaublich. Bei der Recherche zu einem anderen Thema stößt der Reporter im Mühlhäuser Stadtarchiv auf einen kleinen Artikel im Thüringer Volk vom 29. März 1947. "Meteoritenabsturz über Mühlhausen", heißt es in der Überschrift. Ein 15 Meter tiefes Loch soll das Trümmerteil auf einem Feld an der Bahnstrecke nach Treffurtgeschlagen haben. Vier Sekunden lang habe der Meteorit die ganze Landschaft in ein gleißendes Licht getaucht. Zahlreiche Einwohner sollen aus dem Schlaf gerissen worden sein, vermeldet die Tageszeitung weiter. Ein unheimliches Geräusch, "das an das Heranjaulen einer Fliegerbombe erinnerte", soll laut zu hören gewesen sein. 

Am Morgen des Erscheinungstages des Artikels, ein Samstag, sollte eine Forschungskommission, die sich "aus namhaften Wissenschaftlern der Zone zusammensetzt", in Mühlhausen eintreffen, um den Vorfall zu untersuchen.

 

Mehr als diese Zeitungsmeldung gibt es dazu nicht. Viele Zeitzeugen von damals leben nicht mehr, andere können sich nicht erinnern. Felchtas Ortsbürgermeister René Seyfert (SPD) hörte auf Anfrage dieser Zeitung zum ersten Mal von dem Vorfall. Bislang sei das nie Thema im Dorf gewesen, sagt er. Auch die Recherchen im Internet ergeben nichts Erhellendes. Zwar gibt es Auflistungen über Meteoriten, aber Mühlhausen oder Felchta tauchen da nicht auf. In Dermbach im Wartburgkreis wurde 1924 ein Meteorit von eineinhalb Kilogramm Gewicht gefunden. In Kleinwenden bei Nordhausen ist am 16. September 1843 ein Absturz dokumentiert. In Meuselbach-Schwarzmühle, Tabarz und nahe Gera sind Funde belegt. Der Meteorit "Benthullen" (bei Oldenburg) ist der größte Steinmeteorit, der bisher in Deutschland gefunden wurde, wiegt etwas mehr als 17 Kilogramm.

Der Hoba-Meteorit ist der bislang größte auf der Erde gefundene Meteorit. Er befindet sich auf dem Gelände einer Farm in Namibia. Die Angaben über das Gewicht schwanken zwischen 50 und 60 Tonnen. Der Eisen-Meteorit, schlug vor etwa 80 000 Jahren auf der Erde ein und liegt immer noch in der ursprünglichen Position. Sein geschätztes Alter beträgt 190 bis 410 Millionen Jahre.

Dass es sich bei dem nahe Felchta beschriebenen Trümmerstück um einem Aprilscherz handelt, ist nur schwer nachvollziehbar. Bei dem 29. März 1947 handelt es sich um einen Samstag, bis zum 1. April waren das immer noch drei Tage Zeit.

Unsere Zeitung sucht nun, gemeinsam mit Ihnen, liebe Leser, nach einer Erklärung für das Rätsel des abgestürzten Meteoriten von Felchta. Vielleicht kann sich auch noch jemand erinnern, der für das Thüringer Volk tätig war und weiß, wie es zu dieser Nachricht kam.

Alexander Volkmann 29.03.17
Quelle: Thüringer Allgemeine
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Update: 30.03.2017
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Rätsel um Meteorit bei Felchta gelöst

 
 
TA-Redakteur ging einem 70 Jahre alten Aprilscherz auf den Leim. 
Im "Thüringer Volk" wurde der Aprilscherz am 2. April 1947 aufgelöst. Repro: Archiv
Im "Thüringer Volk" wurde der Aprilscherz am 2. April 1947 aufgelöst. Repro: Archiv
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Mühlhausen. In der Mühlhäuser Ausgabe vom 29. März haben wir über einen Beitrag im "Thüringer Volk" vom 29. März 1947 berichtet. Ein Meteorit sei nahe Felchta eingeschlagen. Gleichzeitig hatten wir unsere Leser gefragt, ob sie sich noch an den Vorfall erinnern konnten. Das konnten sie tatsächlich. Es handelte sich damals um einen April-Scherz.

 

Unser Redakteur Alexander Volkmann stieß auf die Geschichte, als er bei der Recherche zu einem anderen Thema in den alten Ausgaben stöberte. "Ich habe es ja schon irgendwie vermutet, doch schien es mir unwahrscheinlich. Jetzt habe ich Gewissheit. 70 Jahre nach der Veröffentlichung eines Aprilscherzes bin ich darauf herein gefallen. Man könnte mir jetzt zugutehalten, dass es die Reporter-Kollegen im Jahr 1947 nicht all zu streng mit den Regeln für einen April-Scherz nahmen. Er wurde drei Tage zu früh veröffentlicht", sagt Volkmann und muss selber über seinen Fauxpas schmunzeln. Und fügt an: "Sei‘s drum. Sie dürfen nun herzlich über mich lachen!"

Unser Leser Bernd Mahr, Mitglied im Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein, löste am Mittwoch das Rätsel um den Meteoriten. "Bei dem Artikel handelt es sich um einen gut gemachten Aprilscherz", schreibt er. Aufgelöst wurde er am 2. April 1947. Bis zur nächsten Ausgabe der Zeitung vergingen deshalb drei Tage, weil Ostermontag dazwischen lag, erklärt Mahr. An diesem Tag erschien aber keine Zeitung. Die nächste Ausgabe kam am Dienstag, 1. April 1947, hier allerdings ohne einen Regionalteil, sodass die Auflösung des Aprilscherzes erst am 2. April im Regionalteil erfolgen konnte.

Danke, Bernd Mahr.

Sie merken, früher war vieles komplizierter. Aber den Spaß wollten sich die Kollegen damals nicht nehmen lassen. "Ich bin mir sicher, ich wäre ihnen eine Meldung wert gewesen, hätten sie in die Zukunft schauen können", sagt Alexander Volkmann und kommt zu dem Fazit: "Das Thema Meteoriten-Einschlag als Aprilscherz ist für die nächsten 70 Jahre gestrichen!"

Quelle: Thüringer Allgemeine

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